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Hesse-Haus

Hermann Hesse in Gaienhofen

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Hermann Hesse in Gaienhofen

Hermann Hesse, aufgewachsen in einem pietistischen Missionars-Elternhaus, verbrachte seine Kindheit in Calw und Basel. Nach turbulenten Jugendjahren lebte er in Maulbronn, Tübingen und in Basel. Hesse versuchte sich in dieser Zeit als Verfasser von Prosa- und Gedichtbänden in deutsch-romantischer Tradition. 1904 veröffentlichte er den Roman Peter Camenzind und erzielte mit dem Buch großen Erfolg. Thematisch ging es um die Absage an Großstadt und Moderne während die Wertschätzung von Natur und Innerlichkeit stark in den Vordergrund rückte. Die erfolgreiche Veröffentlichung seines ersten Romans ermöglichte es Hesse, seine Anstellung als Buchhändler und Antiquar aufzugeben und sich in Gaienhofen niederzulassen. Durch Besuche bei dem Schriftsteller Emil Strauß, der damals in Emmishofen bei Kreuzlingen lebte, erfuhr Hesse die landschaftliche Schönheit des Bodensees und entdeckte sein Interesse am Landleben.

Im Sommer 1904 heiratete der 27-jährige Hermann Hesse die acht Jahre ältere Fotografin Maria (Mia) Bernoulli aus Basel. Sie war es dann auch, die das alte Bauernhaus in Gaienhofen ausfindig machte, einem kleinen, abgelegenen Dorf am unteren Teil des Bodensees, das um 1900 um die 300 Einwohner hatte. Die Sehnsucht nach einem einfachen, ländlichen Leben, ohne größere Bedürfnisse sahen Hesse und seine Frau an diesem Ort zunächst erfüllt. Während der ansässige Bauer Scheune und Stall zur eigenen Verwendung behielt, mietete Hesse den Wohnteil des Fachwerkauses an. „Etwas, was kein späteres Haus mehr zu geben hatte, machte dieses Haus mir lieb und einzigartig: Es war das erste! Es war die erste Zuflucht meiner jungen Ehe, die erste legitime Werkstatt meines Berufes, hier zum ersten Mal hatte ich das Gefühl von Sesshaftigkeit, und eben darum auch zuweilen das Gefühl der Gefangenschaft... .“ (...) „Das Einrichten dieses Hauses war mit dem schönen Pathos der Jugend geschehen, mit dem Gefühl eigenster Verantwortlichkeit für unser Tun, und mit dem Gefühl, es sei fürs ganze Leben“. (Hermann Hesse, Beim Einzug in ein neues Haus, GW 10, S. 140 ff.)

Das alte Bauernhaus bewohnte Hesse drei Jahre, von 1904 bis 1907. In dieser Zeit kam auch sein erster Sohn Bruno auf die Welt. Die vom jungvermählten Paar ersehnte Idylle erwies sich schon bald als eng und beschwerlich. Das Wasserholen vom Brunnen war besonders im Winter umständlich und auch sonst fehlten andere Bequemlichkeiten des Alltags.
Hesse und seine Frau beschlossen den Bau eines eigenen, komfortableren Hauses mit Garten. Durch sparsame Lebensführung und die Unterstützung von Marias Vater war es ihnen möglich ein Grundstück zu kaufen. 1907 ließen sie sich von dem Schweizer Architekten Hans Hindermann außerhalb des Dorfes in erhöhter Lage ein stattliches Haus errichten.
Hier kamen die Söhne Heiner und Martin zur Welt.
Hesses Zeit in Gaienhofen war geprägt von seiner Arbeit, auch mit der Notwendigkeit, für Haus und Unterhalt zu sorgen sowie von anderweitigen familiären Verpflichtungen. Kurz gesagt: es breitete sich Bürgerlichkeit in seinem Leben aus.
Hesse flüchtete sich immer wieder auf Reisen. Diese Reisen waren Versuche, Überblick und Distanz zum eigenen Dasein zu gewinnen, aber sie sind auch als Flucht aus dieser bürgerlichen Enge zu verstehen.
1912, nach seiner Indienreise, stellt er fest, dass sich das Leben in Gaienhofen für ihn erschöpft hatte. Er suchte einen Käufer für sein Haus und zog mit der Familie nach Bern.

Schriftstellerisch waren die Gaienhofener Jahre äußerst fruchtbar. In den Jahren von 1904 bis 1912 entstanden neben Peter Camenzind und Unterm Rad die Erzählbände Diesseits, Nachbarn und Umwege, Vorarbeiten zu seinem Vagabundenroman Knulp und der Musikerroman Gertrud. Daneben schrieb Hesse zahlreiche Gedichte und Prosaskizzen über die Bodenseelandschaft und das Gaienhofener Dorfleben. Hesse nahm regen Anteil am literarischen Schaffen seiner Zeitgenossen. Er rezensierte zahlreiche Werke und verfasste Aufsätze zu verschiedenen kulturellen Themen. Von Bedeutung ist seine Mitarbeit an der von Ludwig Thoma und Albert Langen herausgegebenen „Halbmonatszeitschrift für deutsche Kultur“ mit dem Titel „März“.
Während seines Aufenthalts in Gaienhofen pflegte Hermann Hesse zahlreiche Freundschaften. Der Dichter Ludwig Finckh war in dieser Zeit vielleicht Hesses engster Freund. In späteren Jahren lebten sich die beiden mehr und mehr auseinander, da sie, insbesondere zur Zeit des Dritten Reiches, unterschiedliche politisch-kulturelle Ansichten vertraten. Das Haus des Dichters wurde von vielen Literaten, wie beispielsweise Stefan Zweig, aufgesucht. Auch mit den Dichterkollegen Emanuel von Bodmann und Wilhelm von Scholz pflegte Hesse nachbarschaftlichen und freundschaftlichen Kontakt. Gute Freundschaft schloss Hesse mit Malern wie Otto Blümel sowie Max Bucherer und mit Musikern wie dem Konstanzer Alfred Schlenker oder dem Schweizer Othmar Schoeck, der viele Hesse-Gedichte vertonte.